Robert Häusser

Robert Häusser (1924 – 2013) zählt nicht nur zu den bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Fotografen der Nachkriegszeit, sondern auch zu jenen herausragenden Künstlern mit unverwechselbarer Handschrift, die viele nachfolgende Fotografen, Künstler und Menschen inspirierten und deren Bildsprachen noch heute eine internationale Strahlkraft besitzt. Robert Häusser erzählt aber auch eine deutsche Geschichte, die von seinen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und dem Krieg, mit seiner Zeit in der Ostzone und seinen Reisen und zahlreichen Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten sowie den Erfahrungen in seiner Wahlheimat Mannheim berichtet. Er erkundete fotografisch seine Heimat und hat ihr durch Ausstellungen und Publikationen ein Denkmal gesetzt. Die enge Verbundenheit mit Mannheim und seine Dankbarkeit drücken sich in der Entscheidung aus, sein Lebenswerk 2002 trotz großen Interesses von Seiten anderer namhafter Museen der Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen zu stiften. Dort wird seither das Robert-Häusser-Archiv im Forum Internationale Photographie (FIP) gepflegt. Exklusiv vermarktet jetzt die Prince House Gallery in SoHo Turley Originale Robert Häussers aus seinem privaten Nachlass.

„September 1954: Mit 5 Westmark in der Tasche, der alten Rollei und dem klapprigen Motorad und das, was wir auf dem Leib hatten, kamen wir in Mannheim an: Ostflüchtlinge, Habenichtse. Alles war hier anders, alles war uns neu, eine andere Welt.“ (R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 134)

Das vielbeachtete und breit publizierte Œuvre des Fotografen Robert Häusser umfasst mit über 64.000 Arbeiten (Negative, Abzüge) eine 60jährige Schaffensphase. Bereits zu Lebzeiten haben seine Werke internationale Berühmtheit erlangt, nun bieten die Bilder des Künstlers und Fotografen ein enormes Potential für den Kunstmarkt, der bislang nur wenige dieser Werke kennt. Sicherlich auch mit Blick auf die anstehenden Jubiläen wird das Œuvre eines ‚deutschen Meisters‘ eine ganz besondere Aufwertung erfahren. Denn Robert Häussers Fotografien stehen für einen künstlerischen Geist, der vielen Strömungen antizipierte und ganze Generationen stilprägend beeinflusste. 1995 erhielt er den ‚Internationalen Preis für Fotografie‘ der ‚Erna and Viktor Hasselblad-Foundation‘ in Schweden, den höchst dotierten und unabhängigen Preis für Fotografie. Er gilt als ‚Nobelpreis‘ dieser Kunstsparte und wurde Häusser als erstem deutschen Fotografen verliehen. Damit gehört er zu einem Kreis von Künstlern wie Lennart Nilsson, Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson, Sebastiaõ Salgado, William Klein, Richard Avedon, Robert Frank, Cindy Sherman, Sophie Calle und Joan Fontcuberta. Mit der Ehrung durch den ‚Kulturpreis 2000‘ wurde Häusser von der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) für würdig empfunden, in einer Reihe mit vorherigen Preisträgern wie Albert Renger-Patzsch, August Sander, Thomas Höpker, Man Ray, Bernd und Hilla Becher und Irving Penn zu stehen.

Der gebürtige Stuttgarter Häusser erhielt früh eine fotografische Ausbildung. In seinen Werken spiegeln sich Begebenheiten und Passagen seines Lebens in den Kriegsjahren und seiner Zeit als Landwirt in der damaligen sowjetischen Besatzungszone, wo er von 1946 bis 1952 auf dem Hof seiner Eltern in der Mark Brandenburg lebte. Schon 1950 gab es erste Ausstellungen, so auf der ersten photokina in Köln. Zur gleichen Zeit wird Robert Häusser in die Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL), der heutigen Deutschen Fotografischen Akademie (DFA), aufgenommen. Aus der sowjetischen Besatzungszone floh er in einer Nacht- und Nebelaktion auf abenteuerlichem Wege und kam 1952 mit seiner Familie in Mannheim an.

Bereits 1953 hatte er sich eine neue Existenz in seiner Wahlheimat Mannheim aufgebaut. Die 1950ern, 60ern, 70ern gelten als seine ‚goldene Zeit‘, in der für Auftraggeber aus vielen Ländern arbeitete und in ihrem Dienst mehrfach um die Welt reiste. Aus diesen Auftragsarbeiten entstand sein sogenanntes ‚Basis-Archiv‘. Darunter befinde sich auch die für Häusser so charakteristisch gewordenen monumentale Ansichten und prägnante Formen der Industrieaufnahmen, wie er sie etwa für den Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen, die Gaswerke der Stadt Mannheim oder die Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft anfertigte. Anfang der 1970er Jahre gab er sein erfolgreiches Werbestudio in Mannheim-Käfertal auf, um sich nur noch freier künstlerischer Arbeit zu widmen.

Glamour sucht man vergebens, Häussers Bilder kommen schlicht und unprätentiös daher, ohne Schnörkel und Pomp und nehmen in bewusster Klarheit und Schärfe ihre Motive in den Fokus. Die Bildkompositionen zeigen Verwandtschaft zur Neuen Sachlichkeit und zum Magischen Realismus. Häusser war kein verschlossener Fotograf, sondern reagierte auf die zeitgenössischen Strömungen. Es finden sich bei ihm Momente des Surrealismus, des Nouveau Réalisme, der Popart, der Land Art, der Concept Art, des New Topographic Movement und der Inszenierten Fotografie, er ist diesen Strömungen jedoch immer einen Schritt voraus gewesen.

Robert Häusser hielt seine zahlreichen Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten wie bildenden Künstlern, Musikern, Schriftstellern, Philosophen oder Politikern ebenfalls fotografisch fest. Man fühlt sich zuweilen auch an die Arbeiten eines August Sander erinnert, ohne dass Häusser in ein distanziertes Außen abrutscht. Er ist immer in sein Gegenüber und dessen Welt eingedrungen, um das Wesen des Menschen individuell zu porträtieren.

Häussers Bilder zeigen Nähe zur ‚subjektiven Photographie‘, auch wenn sie nicht direkt dazu zählten. Dennoch war der Begründer dieser Stilrichtung, Otto Steinert, bei einer Begegnung voll des Lobes für ihn, wie Häusser rückblickent berichtet:

„‚Machen Sie so weiter. Sie werden Ihren Weg machen, das sehe ich.‘ Das ging mir runter wie Öl und am liebsten hätte ich ihn umarmt. Nach dem Essen lud er mich zu einem Waldspaziergang ein. Da kamen wir zur Sache. Wir sprachen über die Zukunft der künstlerischen Fotografie.“ (R. Häusser, Schwarz und Weiß, S. 215).

Die Prince House Gallery rechnet es sich zur Ehre und Freude an, nun exquisite Originale aus Robert Häussers privatem Nachlass anbieten zu können. Sie stammen aus den verschiedenen Werkgruppen des Künstlerischen Œuvres. Die Ausstellung mit Häusser-Bildern weiht die neuen Ausstellungsräume der Prince House Gallery und wird begleitet von weiteren Leihgaben aus dem Robert-Häusser-Archiv des Forum Internationale Photographie (FIP).

Auszeichnungen und Preise

1950 Silbermedaille und Bronzemedaille der „Swedish Master Competition“, Stockholm
1960 Verleihung der photokina-Plakette für künstlerische Leistung
1960 Erster Preis im Wettbewerb „Deutscher Städtetag“, Köln
1961 Goldmedaille der 3. Biennale Internazionale, Venedig
1962 Sonderpreis der Stadt San Remo, Italien
1978 Verleihung der Schillerplakette der Stadt Mannheim
1984 Kunstpreis der Stadt Nordhorn
Verleihung der David-Octavius-Hill-Medaille der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner GDL Deutsche Fotografische Akademie DFA
Berufung in die Akademie der Künste Mannheim
1985 Ehrenmitgliedschaft des Bundes Freischaffender Fotodesigner
Verleihung des Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für das künstlerische Lebenswerk
Kodak Fotobuchpreis 1985 für den Ausstellungskatalog 1984/85
1988 Kodak-Fotobuchpreis 1988 für den Katalog „Robert Häusser – Photographische Bilder 1941 – 1987“
1989 Verleihung des Titels „Professor“ durch den Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg
1995 Internationaler Preis für Fotografie der „Erna und Victor Hasselblad Foundation“, Göteborg, Schweden
1995/96 Mehrmonatiger Ehrengast der Deutschen Akademie Rom in der Villa Massimo
1997 „Internationaler Kodak-Kalender-Wettbewerb“, 1. Preis für den Kalender „Robert Häusser – Magie der Dinge“
Preisträger bei der Wandgestaltung für den Neubau des Hauses der Abgeordneten in Berlin
2000 „Kulturpreis 2000“ der Deutschen Gesellschaft für Photographie, DGPh

„Award 2000 in Silber“, Bund Freischaffender Fotodesigner, BFF
2004 Max-Lütze-Medaille
2007 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg